Islamwoche 2017

2. Islamwoche an der Universität Zürich

2. Islamwoche an der Universität Zürich

Zwischen Zerrbildern und Wirklichkeiten

 

In den letzten Jahren rückten der Islam und die Muslime immer stärker in den Fokus der Medien und der Politik. Schlagzeilen und Diskussionen über Bärte und Burkas, Handschlag und Hinterhofmoschee gehören mittlerweile zum medialen und politischen Alltag. Was diesen zumeist hitzig geführten Debatten jedoch fehlt, sind die vielfältigen Stimmen der Musliminnen und Muslime, die den Islam in der Schweiz tagtäglich leben und die sich in diesen Bildern des Islam und der Muslime nicht wiedererkennen. Vom 20. bis zum 24. März 2017 organisierte die Muslim Students Association an der Universität Zürich eine fünftägige Veranstaltungsreihe, um mit einer breiteren Öffentlichkeit über diese Zerrbilder zu diskutieren und Einblicke in Wirklichkeiten von Schweizer Musliminnen und Muslimen zu geben.

 

Die 2. Islamwoche an der Universität Zürich startete am Montag mit der Eröffnung der Posterausstellung “Lebenswelten junger Musliminnen und Muslime” im Lichthof der Universität. Während rund zwei Monaten interviewten Mitglieder der MSAZ junge Musliminnen und Muslime zu unterschiedlichen Themenfeldern mit dem Ziel, durch die Wiedergabe von individuellen Narrativen einen Einblick in den Alltag junger Menschen zu geben, die den Islam in der Schweiz tagtäglich leben.

 

Am Dienstagabend diskutierten Antonia Moser, Eren Güvercin und Dr. Patrik Ettinger über die Repräsentation des Islam und der Muslime im medialen Diskurs. Was sind die Hintergründe und Auswirkungen des aktuellen Islamdiskurses? Welche Rolle spielen Medien, Politik, Wissenschaft und muslimische Organisationen und welche Verantwortung haben diese Akteure? Eine Zusammenfassung von Marita Fuchs (Redaktorin UZH News) ist hier zu finden.

 

Nach der intensiven und spannenden Diskussion des Vorabends gab es am Mittwochmittag die Möglichkeit, sich beim Food Festival im Lichthof der Universität mit zahlreichen Köstlichkeiten aus der muslimischen Welt zu stärken. Zahlreiche Studierende nahmen diese Gelegenheiten wahr und kamen mit den Mitgliedern des MSAZ ins Gespräch.

 

Am Donnerstagabend dekonstruierte Dr. Çefli Ademi im Rahmen seines Vortrages das „Schreckgespenst“ Scharia. Dr. Ademi widerlegte die breit verbreitete Annahme, dass es sich bei der Scharia um ein kodifiziertes Gesetzesbuch handelt, welches nationalstaatlich „eingeführt“ werden kann. Die Scharia existiert im Singular nicht - Vielmehr muss man von verschiedenen Scharia-Verständnissen sprechen, die sich in der 1400 jährigen Geschichte islamischer Gelehrsamkeit entwickelt haben und sich aus den jeweiligen Lebensumständen der verschiedenen islamischen Gesellschaften speisten. Zudem widerlegte Dr. Ademi auch das Vorurteil, dass es in der Scharia vor allem um drakonische Strafen und Gebote geht. Vielmehr standen Moral und Ethik im Zentrum der traditionellen Auslegungen der Scharia, während das eigentliche Strafrecht im Verhältnis dazu einen kleinen Platz einnahm.

 

Zum Ausklang der Woche fand eine Koranrezitation und das öffentliche Freitagsgebet statt. Interessierte Besucherinnen und Besucher konnten sich dabei ein Bild von einem Freitagsgebet machen und gleichzeitig bei der Khutba mehr über die Rolle des Wissens im Islam erfahren.

 

Die diesjährige Islamwoche hat gezeigt, wie wichtig Wissen, Selbstreflexion und Dialog sind, um Vorurteile ab- und Vertrauen aufzubauen. Insbesondere hat sie auch die Wichtigkeit der Verbindung von Wissen und Handeln aufgezeigt. Denn wie Imam al Ghazali in seinem Werk Ayyuha-l Walad zu einem seiner Schüler gesagt hat: „Oh mein Sohn! Wissen ohne Handeln ist Wahnsinn, und Handeln ohne Wissen ist Unsinn“. Die spannenden Beiträge, die freundlichen Gespräche, die kulinarischen Höhepunkte und die tollen Begegnungen im Rahmen der 2. Islamwoche werden noch lange in Erinnerung bleiben.

Posterausstellung "Lebenswelten junger Musliminnen und Musime"

 

© 2017 by Muslim Students Association Zurich (MSAZ)